Mittwoch, 2. Mai 2007

Melange am Mittwoch

Das Tübinger Vorstadttheater im Lorettoviertel ist beheimatet in der ehemaligen Latrine der französischen Garnison, die hier bis 1990 beherbergt war. Nun wird hier vor allem Kinderprogramm gemacht, Puppenspieler und Geschichtenerzähler sind in dem langgestreckten Theaterraum mit der kleinen schwarzbevorhangten Kastenbühne am Werk.

Dort findet alle paar Monate die "Melange am Mittwoch" statt, eine Mischung aus klassischer und experimenteller Musik, Kabarett, Puppentheater, erzählten Geschichten undvorgetragenenen Gedichten. Die Vortragenden sind überwiegend Hobbykünstler und leben alle in Tübingen. Das erste Mal kamen wir im letzten Herbst in Kontakt mit dem Vorstadttheater, als das Akkordeonorchester an der Universität Tübingen sich zur Melange auf die schmale Bühne zwängte.

Lange Vorrede, kurzer Sinn: Heute war wieder Melange und da ich sowieso Isländisch im Lorettoviertel hatte, begab ich mich danach direkt ins Vorstadttheater. Nach einigen gesungenen Liedern von Schubert und Brahms (zwei Pianisten begleiten sich abwechselnd gegenseitig) und einem Ausschnitt aus einem neuen Puppentheater-Stück (die wie immer sehr amüsante Moderation der Macher der Melange GünterSopper und Ralf Mück sprachen lieber von Welturaufführung) begann endlich das Geschichten erzählen. Es wurde erotisch: Die Autorin Cornelia Lotter erzählte von ihren ersten BH-Erfahrungen als Teenager während ihrer Jugendweihe (wer weiß was das ist, weiß auch dass sie offensichtlich nicht aus Tübingen stammt...), danach gab der Geschichtenerzähler HansjörgOstermayer einen Auszug aus seinem aktuellen Programm Die Crux mit dem Sex zum besten, begleitet von aussagestarken Klavierpassagen. Ostermeyer war mal wieder in Hochform und ich brauchte wie immer eine Zeit, bis ich merkte, dass ich ihm mit offenem Mund lauschte. :-)

Die zweite Hälfte des Abends wurde turbulenter, denn während der 32. Folge der Stadtsherrifs gab die Haltelatte für den Vorhang unter den Figuren nach und diese mussten selbst helfen, sie wieder aufzuhängen. Der Vorfall machte das Stück deutlichspontanter, bei dem sich mit dem Führungsstil des grünen Oberbürgermeisters Boris Palmer auseinandergesetzt wurde.

Ein großes Erlebnis war das letzte Stück: Die drei bereits auf der Bühne gewesenenen Pianisten setzten sich nun zu dritt an das kleine Klavier und spielten drei Stücke für 6 Hände und 88 Tasten, wobei alleine das Zusehen ein großer Genuss war, da auf so engem Raum und bei virtuosen Musikern oft die Eine Hand über die des Nachbarn greifen muss. Ab und zu reicht auch das nicht und der rechte Musiker (der die hohe Lage spielt) muss kurz aufstehen, einmal um das Klavier herumlaufen (während die anderen weiterrutschen), um in der tiefen Lage weiterzuspielen - natürlich läuft während desDurchrutschens das Stück die ganze Zeit weiter. Das dritte der von dem Trio gespielten Stücke Doppelt und dreifach, Drunter und drüber und Drumherum entpuppt sich als Potporee einiger großer Werke europäischer Musikgeschichte, die ständig das Themalied der Melange am Mittwoch münden, das regelmäßig zum Vorschein kommt. Danach gibt es das traditionelle Abschiedssingen des Melange-Liedes mit allen Anwesenden:

Melange am Mittwoch, die ist nun zu ende
wenn's Ihnen gefalln hat dann rührn sie die Hände
und kommen's nächste Mal wieder vorbei.
Melange am Mittwoch die bringt so allerlei!
Juchee!

Kommentare:

Christine hat gesagt…

Boah, ich bin voll neidisch!! Auf Ostermayer sowieso (die Erinnerung an den unvergesslichen Artusabend ist noch sehr lebendig), aber auch der Rest klingt ziemlich toll!!
Dreihändiges Klavierspielen - da muss man bestimmt eine ganze Weile üben, um sich nicht in die Quere zu kommen...

scholli hat gesagt…

Ich hab mal 4 Händiges Gitarrenspiel gesehen...mit 4 Gitarristen, das war auch voll cool