Mittwoch, 14. November 2007

Blog aus Island

Liebe Leserinnen und Leser der Tübingen Times,

eine neue Schwesterpublikation dieses Onlineblattes wurde heute ins Leben gerufen: Die Rede ist von Karl er í Ìslandi, dem Blog über das Auslandsstudium in Reykjavík.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen. An dieser Stelle werden weiter (in unregelmäßigen Abständen) neue Einträge aus Tübingen erscheinen. Die neusten Einträge aus Island sind hier auch weiter am Rand verlinkt.



Freitag, 28. September 2007

Mittelaltermarkt

Es ist schon wieder ein paar Wochen her: Wir besuchten an einem nochmal recht sonnigen Sonntag einen Mittelaltermarkt in in Berlin-Dahlem. Der Ort ist gut gewählt: Am Stadtrand befindet sich hier ein alter Gutshof mit erhaltenen Stallgebäuden, der heute ein Bioland-Demonstrationsbetrieb ist. Pferde, Kühe und einige kleine Felder rundherum vermitteln ländliches Flair, während rundherum der Großstadttrubel tobt.

Mittelaltermarkt: Auf dem großen Hof zwischen den Stallgebäuden wurden auf sandigem Boden viele Stände aufgebaut, alle mit großen Farbigen Decken und Tüchern bespannt, viele sind innen mit Teppichen behangen, die zum jeweiligen Handwerk passen. Das tollste aber ist, dass nicht nur die Händler mittelalterlich gekleidet sind, sondern auch viele der Kunden, die umherwandern und so manche altertümliche Mundart von sich geben.


Wer ist er? Der Stallmeister des Fürsten? Ein Wanderer?



Der Schreiner erzählt, während er aus einem groben Rundholz einen filigranen Kinderkreisel macht. Seine Maschine wird natürlich mit Muskelkraft betrieben, wofür der Mann glücklicherweise die richtige Statur hat. Der Mann kommt übrigens aus Hessen und hat zu Hause auch Maschinen, die den elektrischen Knecht zu Hilfe nehmen. - Unverständlich, da er offensichtlich auch mit der mechanischen sehr gut zurecht kommt.






Eine englischer Jongleur...

Montag, 24. September 2007

Berlin ganz berlinerisch

In Berlin ist immer etwas los. Zum Ende unseres zweimonatigen Berlin-Aufenthalts waren wir am Sonntag im neu gestalteten Naturkundemuseum, vor dem sich Anfang August noch hunderte Meter lange Schlagen bildeten aufgrund der offensiven Werbung nach der Neueröffnung. Es ist in jedem Fall einen Besuch wert, nicht nur wegen dem weltweit höchsten in einem Museum ausgestellten Dinosaurierfossil in der Eingangshalle, sondern auch wegen der reichen Mineraliensammlung und - sowohl ausgestellten als auch ausgestopften - Tieren.

Auf dem Heimweg überqueren wir die Straße Unter den Linden und kreuzen dabei einen sehr gut besuchten Demonstrationszug gegen staatliche Datenspionage. Laut Medien waren zehntausend Leute da.

Szenenwechsel: Es ist Sonntag, einen Tag später. Wir laufen nach dem Frühstück durch die ausgestorbene Wilhelmstraße und durch einen schmalen Weg in der Französischen Straße und hören Rufe in der Ferne: "Endliche freie Wahlen, endlich freie Wahlen!" - Die nächste Demo. Bereits aus der Ferne sehen wir dichtes Polizeiaufgebot: Beamte, eingehakt in einer Kette, laufen auf eine Gruppe Demonstranten zu, unterstützt von mehreren Räumfahrzeugen. Die Stimmen werden lauter, während wir uns nähern - auch die Motorengeräusche der Polizeiautos. Wir betreten die Mauerstraße, kommen direkt hinter der Polizeikette raus, die gerade wieder umdreht, zurückläuft und wieder Stellung nimmt. Auch die Menge ist verstummt, steht nur noch apatisch da.

Ein Mann kommt mit schnellem Schritt auf uns zu. Wo wir denn hergekommen seien? Das Filmteam kennt den versteckten Weg nicht, aus dem wir eben herauskamen. Er leitet uns an den Rand der Szene, wo wir der Kamera nicht im Weg stehen - und beantwortet unsere Fragen. Gegen Wolfgang Schäuble hat er gestern um die Ecke auch demonstriert, hier geht`s aber um eine Fernsehproduktion, die zu Wendezeiten spielt. Dabei ist nichts echt: Die Demonstrantenstatisten kommen aus Köln, die Produktionsfirma aus München. Wir haben genug gesehen und laufen weiter, vorbei an Trabbis, Wartburgs und einem Barkas, die am Straßenrand parken.

Sonntag, 22. Juli 2007

Tü ganz berlinkreuzbergisch

wir werden die nächsten zwei monate in berlin verbringen - wir machen dort beide ein praktikum. am samstag (gestern) brachen wir auf - zunächst in richtung ulm.

unsere abfahrt aus tübigen war allerdings nicht ganz einfach. wir stellten uns erst am frühen nachmittag an die bushaltestelle, da wir zuvor noch auf den postboten warten mussten, um den neusten harry potter in empfang zu nehmen. statt normalem tübinger stadtbus kam jedoch ein neun-personen-kleinbus, bei dem eine provisorische "22" aufs amaturenbrett gelegt worden war. uns dämmerte bereits, warum an diesem tage keine regulären busse in richtung der innenstadt fuhren. der fahrer stieg erstmal aus, öffnete uns (mit dem vielen gepäck für ulm und berlin), sagte christine, sie brauche keinen fahrschein (sie hat ja nach ihrem italienstudium kein semesterticket) und fuhr los.

kurz vor der neckarbrücke war der bus voll, wobei es toll war, an den stationen davor die gesichter ungläubigen gesichter der leute zu beobachten, als unser bus vorfuhr und darauf wartete, dass sie einstiegen. an der neckarbrücke schließlich schluss: "alle aussteigen!" die straßen waren voll mit menschen, überall hingen bunte nationalfahnen vieler fremder länder - und an der straße spielte eine jazzband - daneben ein spruchband: "funk off nazis".

zu diesem zeitpunkt war uns bereits eingefallen, dass für diesen samstag die "jungnationalen" eine demonstration in tübingen angekündigt hatten, eine organisation die angeblich in baden-württemberg nur 60 mitglieder hat und daher von aus anderen regionen verstärkt werden musste, so dass sich etwa 150 demostranten versammelten. das verbot von OB palmer hatte ein gericht zwar ausgesetzt - im gegenzug hatte der verwaltungsrat der stadt jedoch pauschal jede andere veranstaltung und kundgebung in der stadt erlaubt.

wir näherten uns also dem bahnhof - und entgegen unserer erwartung ("die demo war ja in der stadt...") - nahm die menschendichte zu. der bahnhofsvorplatz war voll bestanden, selbst auf den wartehäuschen der bushaltestellen standen (gegen-)demonstranten. der bahnhof selbst war vor massiv gepanzerten aber recht lässigen polizisten hermetisch abgeriegelt. wie wir schließlich in erfahrung brachten, waren die 150 jungnationalen gerade dabei wieder dabei, in die züge zu steigen und man wollte zusammenstöße in und vor zügen mit den gegendemonstranten zu vermeiden. wir aber wollte ja bloß nach ulm.

also zogen wir los - mit trolly, großem rucksack, zwei kleinen rucksäcken und einem geigenkasten - um über einen größeren umweg die rückseite des bahnhofs zu erreichen. gerade als wir die unterführung erreichten, baute sich vor uns ein vielleicht 2 meter großer und relativ kräftiger gepanzerter ritter in grün auf, streckte seine arme in beide richtungen und warf uns ein "hier kommt niemand mehr durch" entgegen. daraufhin wurde das massive eisentor der bahnunterführung vor uns mit lautem knall ins schloss geworfen.



glücklicherweise ging es aber schon nach 20 minuten weiter - und wir konnten ohne größere hektik den nächsten zug nehmen. den ersten hatten wir natürlich verpasst. im regionalzug trafen wir weder nazis noch gegendemonstranten - trotzdem zog zwei minuten nach abfahrt jemand die notbremse. die polizeidichte war auch in reutlingen und bis metzingen auf den bahnhöfen noch recht hoch, nahm dann aber zunehmend ab.

Donnerstag, 21. Juni 2007

Leben

Das Leben ist manchmal merkwürdig. Lange habe ich in diesem Blog nichts mehr geschrieben, obwohl so Vieles, auch sehr viel Schönes passiert ist. Ich war zwei Wochen mit Christines Familie in Italien. Nun bin ich schon wieder zwei Wochen in Tübingen. Das Studium geht weiter und obwohl es so viele schöne Momente gibt, die man eigentlich festhalten sollte, um sich später daran zu erinnern, tue ich das doch viel zu selten. Aber dann gibt es jene Momente im Leben, von denen ich bisher erstaunlich verschont geblieben bin. Es gerät plötzlich alles ins Wanken, etwas woran man von tief innen geglaubt hat, das so tief in einem steckte, dass man ihn bisher einfach intuitiv hingenommen hat, ohne viel darüber zu reden.

Und plötzlich gibt es einen lautlosen Knall. Irgendwo in weiter Ferne passiert etwas, das man selbst nie für möglich gehalten hat. Und auch wenn man selbst jenem Fernen Leben längst entwachsen ist, erreichen einen doch die Schockwellen jenes Ereignisses. Alles gerät ins Wanken. Und doch geht das Leben weiter. Ich gehe in die Uni, treffen Freunde. Und doch ist irgendwie alles anders, der Blick auf die Dinge ist völlig verstellt, die Perspektive hat sich völlig verändert.

Die meisten die das gerade lesen, wissen wahrscheinlich nicht, was mich so sehr bewegt. Deswegen schreibe ich von Tübingen: Ich komme gerade aus der Stadt. Nachdem es den halben Tag geregnet hat, ist gegen Abend der Himmel aufgeklart und ich war mit den Leuten vom Akkordeonorchester in der Altstadt beim Café Piccolo. Das Café liegt direkt an der Ammer, schräg gegenüber vom Italiener im Nonnenhaus. Direkt am Bach spielte Norbert - unser Orchesterleiter - gemeinsam mit einem Gitarristen argentinischen Tango. Leute schlenderten vorbei mit einem Eis in der Hand, der Hausmeister vom geologischen Institut mit seinem Kind, Paare, glückliche Familien... Die Sonne strahlt noch die Oberkanten der Fachwerkhäuser an, es war angenehm lau, der Regen hat die Luft reingewaschen. Und ich sitze mittendrin, sauge die friedliche Abendatmosphäre ein und es ist alles wie immer, und doch alles anders. Wahrscheinlich bin ich es, der ver-rückt wurde.

Ich werde hier demnächst öfter schreiben.

Montag, 21. Mai 2007

Drohbrief

Heute hatte ich einen Zettel im Briefkasten - ich vermute, es ist ein Drohbrief. Kürzlich haben einige Kinder mehrmals einen Klingelstreich bei mir gemacht. - Ohne zu merken, dass ich sie dabei am Fenster beobachte.

Leider kann ich die unteren beiden Wörter nicht lesen. Kann mir jemand helfen?

Samstag, 12. Mai 2007

Nordschwarzwald

Gestern wurde die Exkursionssaison eröffnet. Die erste Exkursion ging in den mittleren Schwarzwald. Obwohl es in Tübingen recht warm war, hatten wir dort mit eisigem Wind zu kämpfen. Mit Zeichenbrett und Hammer bewaffnet, machten wir uns auf eine Reise in den Buntsandstein.
Mittagspause. Auch wenn es hier schön aussieht: Es wehte ein eisiger Wind und die Sonne zeigte sich nur kurz.


Verbildlichung der Sedimentgeologie...